Rezension: Der Sonnenschirm des Terroristen

FinalIori Fujiwara ist ein japanischer Schriftsteller. Er wurde 1948 geboren und verstarb 2007. Für seinen Krimi „Der Sonnenschirm des Terroristen“ wurde Iori Fujiwara 1995 mit dem Edogawa-Ranpo-Krimipreis ausgezeichnet, 1996 erhielt er den Nacki-Literaturpreis. Im selben Jahr wurde der Roman für das Fernsehen verfilmt.

„Der Sonnenschirm des Terroristen“ ist 1998 unter dem Titel „Terorisuto no Parasoru“ in der japanischen Originalausgabe erschienen. Die deutschsprachige Ausgabe stammt aus dem Jahr 2017 (Cass Verlag, 352 Seiten, Übersetzerin Katja Busson).

Die Handlung des Romans spielt an verschiedenen Orten in Tokyo. Der schwere Alkoholiker Shunsuke Kikuchi, der wegen eines Bombenanschlags in Zusammenhang mit den Studentenunruhen der 60-er Jahre auf den Fahndungslisten der Polizei steht, lebt unter falschem Namen im Untergrund. Er schlägt sich als Barkeeper durch und zieht sich in seiner Freizeit regelmäßig zum Whiskeytrinken in einen Park zurück. Als in unmittelbarer Nähe eine Bombe explodiert und zahlreiche Menschen ums Leben kommen, lässt Kikuchi in der Hektik eine Whiskeyflasche mit Fingerabdrücken zurück. Nun wird er wieder gejagt – von der Polizei und von mysteriösen Hintermännern. Er beschließt, der Explosion im Park selbst auf den Grund zu gehen und begibt sich auf eine gefährliche Suche nach der Wahrheit.

Iori Fujiwara erzählt die Geschichte aus Sicht des Protagonisten Shunsuke Kikuchi und nutzt dazu die Ich-Perspektive. Dabei ist es ihm hervorragend gelungen, die Charaktere vielschichtig darzustellen und echte Sympathie für Kikuchi zu erzeugen. Der Schreibstil ist flüssig und spannend. Geschickt verwebt Fujiwara zwei verschiedene Erzählstränge miteinander: Zum einen die aktuellen Ereignisse, die im Jahr 1993 spielen, zum anderen zahlreiche Rückblenden, die die Zeit der Studentenunruhen in den 60-er Jahren beschreiben. Die Handlung und der Aufbau des Krimis wirken hochaktuell und geben dem Leser zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass „Der Sonnenschirm des Terroristen“ mittlerweile 20 Jahre alt ist.

Sehr gestört hat mich allerdings, dass Fujiwara an einigen Stellen Formulierungen nutzt wie: „Aus reiner Gewohnheit erzählte ich natürlich nicht alles … ein paar andere Details verschwieg ich.“ Das führte bei mir zu dem Gefühl, als hätten dem Autor in diesen Passagen keine anderen Mittel zur Verfügung gestanden, um die Spannung bis zum Ende aufrecht zu erhalten.

Im Ergebnis vergebe ich 4 von 5 möglichen Punkten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s